23.02. - 23.06.2019 | Umkämpfte Wege der Moderne. Geschichten aus Potsdam und Babelsberg 1914-1945

Sonderausstellung
Samstag, 23. Februar 2019 - 10:00 bis Sonntag, 23. Juni 2019 - 18:00
Umzug in Nowawes, unbekannter Fotograf, 1931 © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte
Umzug in Nowawes, unbekannter Fotograf, 1931 © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte
Umzug in Nowawes, unbekannter Fotograf, 1931 © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte
Notstandsküche der Arbeiterwohlfahrt, unbekannter Fotograf, 1930/1933 © Potsdam Museum
Notstandsküche der Arbeiterwohlfahrt, unbekannter Fotograf, 1930/1933 © Potsdam Museum
Notstandsküche der Arbeiterwohlfahrt, unbekannter Fotograf, 1930/1933 © Potsdam Museum

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war im Deutschen Reich geprägt von elementaren gesellschaftlichen Veränderungen, Auseinandersetzungen und immer wieder aufflammenden Konflikten. Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs mündete in die Ausrufung der Republik, in der die politische Teilhabe erstmals auf eine breite Basis gestellt wurde. Dieser Wandel zog zum Teil schwere Auseinandersetzungen und Konflikte nach sich. Verschiedene politische, gesellschaftliche und künstlerische Strömungen rangen um die Deutungshoheit über die Gestalt von Gegenwart und Zukunft Deutschlands. 1933 endete diese demokratische Phase mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten.

Das traditionsverbundene Potsdam spielte als ehemalige Residenz- und Garnisonstadt in den Auseinandersetzungen eine herausragende Rolle – es wurde zum symbolischen Kampfplatz. Dem sogenannten Geist von Potsdam, dem Inbegriff für preußisches Erbe und die militärische Erlangung des Großmachtstatus, wurde der Geist von Weimar gegenübergestellt, der für die deutsche Hochkultur stand. Die von großen Industriebetrieben geprägte Nachbargemeinde Nowawes – später Babelsberg genannt und 1939 nach Potsdam eingemeindet – kennzeichnete eine starke Arbeiter- und Angestelltenkultur. Sie wurde deswegen auch als „Rotes Nowawes“ bezeichnet, in der die Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Gruppierungen durchaus gefährlich für das leibliche Wohl sein konnte.

Die Darstellung der alles andere als harmonischen Nachbarschaft dieser beiden Orte ermöglicht die Beschreibung deutscher Geschichte unter dem lokalen Brennglas, in dem sich viele reichsweite Konflikte aufzeigen und nachzeichnen lassen. Nach 1933 besetzten die Nationalsozialisten in beiden Orten den öffentlichen Raum, benannten Straßen um, setzten der Bewegung Denkmäler und unterdrückten bekanntermaßen jegliche Form von Opposition. Mit der Eingemeindung von Babelsberg nach Potsdam 1939 wurde Potsdam endlich zur lange ersehnten Großstadt, die Erinnerung an das „Rote Nowawes“ war damit zumindest offiziell getilgt.

Exponate

Bildpostkarte zum nationalsozialistischen Reichsjugendtag in Potsdam, 1932

Karl Holtz, Skandal! Fehltritt mit ´ner ordinären Krähe!