Das Konzept für die neue Potsdam-Ausstellung (Langvariante)

Auszüge

Aus der Stadtgesellschaft für die Stadt
Alle Themen werden in stetem Bezug zum heutigen Leben der Bewohner:innen und Besucher:innen betrachtet – sie werden in die Entstehung mit einbezogen. 
Mit der am 25.11. eröffneten „Stadtlinde“ entsteht dafür ein neuer Ort des Austauschs. So wird die neue Ausstellung umso relevanter für die Stadtbevölkerung. Alle Potsdamer:innen werden sich hier wiederfinden können.

Tor zur Stadt
Das Museum versteht sich mit seinen Inhalten, seiner Lage im historischen Zentrum und unweit des Hauptbahnhofs als Tor zur Stadt und möchte sich weiterhin zum ersten Anlaufpunkt für alle, die in Potsdam ankommen, etablieren – und sie von hier aus gezielt zu den anderen Häusern der Stadt weiterleiten. 
Für die Potsdamer:innen wollen wir noch mehr zum Ort werden, zu dem sie ihre Gäste führen und ihnen hier die Geschichte ihrer Stadt zu erzählen, um sie ihnen dann von hier aus dann zu zeigen.

Zwischen Havel und Weltgeschichte – Potsdam ist besonders
Die schönste Lage am Wasser und unmittelbare Nähe zu Berlin brachte dem ehemals mittelalterlichen Siedlungsgebiet in den letzten Jahrhunderten eine besondere Rolle ein: Als Bühne der Macht entfaltete sich hier eine vielschichtige Geschichte. Der Ort wurde Residenzstadt, Garnisonstadt, Bezirkshauptstadt in Grenzlage, Landeshauptstadt, Film- und Wissenschaftsstadt und Weltkulturerbe am Wasser. 
Am Anfang und als prägnante Charakteristik bis heute steht die enge Verbindung von Siedlung und Landschaft – Potsdam entwickelt sich in seiner besonderen Verknüpfung von Wasserlage und gestalteter Kulturlandschaft. Ein Schwerpunkt der neuen Ausstellung bildet die enge Verbindung von Macht, (Natur-)Landschaft und Stadtentwicklung. 
Zugleich ist Potsdam ein Ort, an dem sich deutsche Geschichte im Guten wie im Schlechten exemplarisch verdichtet – als Schauplatz von Weltgeschichte.

Potsdam – kaum wie eine andere deutsche Stadt
Kultur- und sozialgeschichtlich ist Potsdam bis 1918 keine Stadt organisch gewachsener Bürgerschaft, sondern eine von oben geplante, immer wieder neu zusammengesetzte Stadtgesellschaft. Die stete Neuerfindung vom mittelalterlichen Dorf bis zur Weltbühne bei gleichzeitig über Jahrhunderte konstanter Zuwanderung aus verschiedenen Regionen Europas ist ein Alleinstellungsmerkmal, das kaum eine andere deutsche Stadt vorweisen kann. 
(Beispiel: z. B. durch die vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm gezielt angesiedelten Hugenott:innen und Handwerker:innen, mit der Garnison als oberstem Ordnungsprinzip.)
Ausstellung erzählt diese Geschichte der Zugewanderten und Gebliebenen und ihre Rolle bei der Entwicklung einer vielfältigen und demokratisch friedlichen Stadtgesellschaft weiter.

Wie Potsdam wuchs
Die neue Ausstellung erzählt die Geschichte des Zentrums gleichermaßen als auch die der Erweiterungen Potsdams im 20. und 21. Jahrhundert.

Transformation anders als sonst in Ostdeutschland
Neue Erkenntnisse zur DDR-Zeit, in der Potsdam als Bezirkshauptstadt in Grenzlage war, sind für das Verständnis der heutigen Stadtgestalt und Bevölkerung zentral. Die Transformation nach 1990 veränderte Potsdam nochmals grundlegend und stellenweise glücklicher als andere ostdeutsche Städte. Bei Betrachtung der vergangenen 35 Jahre fallen viele positive Entwicklungen auf. Das reicht bis zur heutigen Wissenschafts- und Medienstadt mit hoher Studierendendichte und Babelsberg als international geprägtem Kreativstandort.
Frage: noch Ausführung zu städtebaulichen Debatten – und Erfindung des Begriffs „Ostmoderne“

Eine neue Art der Erzählung
In der neunen Potsdam-Ausstellung wir die klassische Stadtgeschichten von der Gründung bis heute nun verstärkt mit sozialhistorischen Ansätzen verbunden. 
Zentrale Ereignisse und Personen werden durch die Einbindung sozialgeschichtlicher Perspektiven z. B. auf Alltag, Arbeit, Zugehörigkeit oder soziale Unterschiede vielschichtiger präsentiert.
Neue sozialgeschichtliche Perspektiven geben epochenübergreifend Einblick in die Lebenswelten der Potsdamerinnen und Potsdamer, etwa in deren Alltag, Gruppenzugehörigkeiten und Identitäten sowie soziale Unterschiede, zum Beispiel Militärangehörige und Handwerker:innen in Nowawes. Themen wie unterschiedliche Arbeitswelten und Wohnformen in den einzelnen Stadtteilen – vom Holländischen Viertel bis zum Plattenbau – werden kulturell greifbar. Glaube und Religion sind allein schon durch die Zugewanderten stadtprägend. 
--> (Wohnbeispiele in Bilder)

Mehr Raum – modular entwickelt
Die neue Potsdam-Ausstellung wird mehr Raum für unterschiedliche Zwecke bekommen:

  1. Stadtgeschichte auf ca. 700 qm in zwei Umsetzungsabschnitten, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Alltagsbezüge, moderne Gestaltung 
  2. Erweiterte Räume für Bildung & Vermittlung auf ca. 120 qm, Stärkung des Bildungsangebots – ein verlässlicher, gut ausgestatteter außerschulischer Lernort für jede Potsdamer Schulklasse.
  3. Neuer Raum für flexible Formate von und mit der Stadtgesellschaft auf ca. 100 qm Einen neuen Raum für Beteiligung, in dem kleine wechselnde Ausstellungen gezeigt werden und Bürger:innen ihre eigenen Geschichten und Objekte einbringen können. 
  4. Sondierungsausstellung zur Kunstsammlung des Potsdam Museums anlässlich des 120-jährigen Bestehens. Eine vorgeschaltete Sammlungsschau, die die Kunstsammlung des Potsdam Museums gezielt aufarbeitet, anlässlich des 120-jährigen Jubiläums des Hauses.