Große Resonanz auf aktuellen Sammlungsaufruf

MEIN BRIEF AN POTSDAM

Fast 30 PotsdamerInnen sind inzwischen dem Aufruf des Potsdam Museums nachgekommen und haben einen Brief an oder für Potsdam geschrieben. Im Zeitalter der Digitalisierung sind Briefe eine echte Rarität geworden. Geschrieben haben vorwiegend ältere Mitbürger, die sehr berührend erzählen, wie sie in Potsdam aufgewachsen oder angekommen sind, wie Potsdam ihre Heimat wurde.

Sie erzählen ihre dramatische Lebensgeschichte oder berichten von ihrer Liebe für die Stadt und erwähnen zuweilen Plätze, die heute kaum noch jemand kennt. Das Badevergnügen in der Badeanstalt am Quapphorn im Neuen Garten beispielsweise kennen nur noch wenige aus der Zeit vor dem Mauerbau 1961, als es noch nicht zum Sperrgebiet gehörte.

Manche Briefe sind in mühevoller Schönschrift von Hand geschrieben, mit getrockneten Blumen oder feinen Zeichnungen geschmückt. Auch spannende Fotos aus Potsdams Vergangenheit und ein Flugblatt von 1961 sind bei den Einsendungen dabei. Auswirkungen und Einschränkungen durch die Corona Pandemie sind oft Anlass für die Selbstreflexion.

„Die Resonanz der Potsdamerinnen und Potsdamer auf unseren Aufruf war beeindruckend.  Der vertrauensvolle Einblick in private Lebensverhältnisse, in persönliche Ansichten und Meinungen ist für die Sammlung des Museums ein Zugewinn. Als bürgernahes Stadtmuseum möchten wir auch in Zukunft weitere partizipative Formate anbieten“, sagt Dr. Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums.

Der Aufruf berücksichtigte in besonderem Maße Erlebnisse rund um den Mauerbau, der sich in diesem Jahr zum 60ten Mal jährt. Eingegangen sind Berichte, die zeigen, wie wenig vorbereitet die Bevölkerung auf dieses Ereignis war. Am 14. August 1961 erschien plötzlich die Köchin im Kindergarten nicht mehr oder die Braut erreichte nach ihrer Hochzeit am 12. August ihren Ehemann in West-Berlin nicht mehr. Auch von der Arroganz der Westverwandtschaft ist zuweilen die Rede, die Bohnenkaffee und ein paar Bananen zum Besuch mitbrachte, sich aber dann ins teure Restaurant ausführen ließ. Viele Briefe gehen der Frage nach, welche Auswirkungen der Mauerbau auf das ganz persönliche Leben in Potsdam hatte und bilden einen wichtigen Baustein in der kulturhistorischen Aufarbeitung des Mauerbaus.

Das Projekt  wird fortgeführt und das Museum sammelt weiter Geschichten und Erlebniss von „Stadt-Zeugen“, die über geschichtliche Ereignisse in der Stadt Potsdam berichten können. Insbesondere für das weiterführende Thema Mauerbau 1961 werden noch Zeitzeugenberichte gesucht. Machen Sie mit!

Wir bitten um die Zusendung von Papierbriefen. „Mein Brief an Potsdam“ heißt das Motto und wer Lust hat, ist aufgefordert, Papier und Stift in die Hand zu nehmen und einen Brief für oder über seine Erlebnisse in und mit Potsdam aufzusetzen und an das Museum zu senden.

Stadt-Zeugen-Büro im Potsdam Museum, Tel. 0331 289 6807 oder ute.meesmann@rathaus.potsdam.de

 

 

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