Das besondere Exponat (35)

Karl Hagemeister
Winterlandschaft (Rauhreif), um 1910
Pastell auf Leinwand, 75 x 109 cm

Eisige Kälte, dunstige Luft und die ruhige Atmosphäre zugefrorener Seen und verschneiter Wälder – all das fängt Karl Hagemeister in seinem um 1910 entstandenen Pastell „Winterlandschaft (Rauhreif)“ ein. Eine von Frost bedeckte Waldszenerie bestimmt das Bild. Die im Hintergrund angedeuteten Baumsilhouetten werden von Spuren des Rauhreifs bedeckt, welche das Motiv netzartig überziehen. Die Konturen des Waldes verschwimmen durch die eisige, nahezu glasig wirkende Oberfläche. Hagemeisters Malerei offenbart die Suche nach einer Naturempfindung und deren Ausdruck im Bild. Um diese Landschaftseindrücke einzufangen, wie er sie auch in „Winterlandschaft (Rauhreif)“ festgehalten hat, zog es ihn in die Natur selbst. Abhängig von Wirkung der Luft und des Lichtes schuf er so für seine Werke eine Art „Wetterfarbe“. Regen, Nebel und Wind, ebenso wie Sonne und Licht erzeugen somit eine Grundtönung des Bildes und fangen die jeweilige Atmosphäre der Szene ein.
Karl Hagemeister (geboren 1848 und 1933 gestorben in Werder/Havel) lebte zurückgezogen in seiner Heimat und widmete sich dort ganz der Schaffung dieser stimmungsvollen märkischen Landschaftsbilder wie überwehte Wiesen, Mohnfelder oder Seestücke. Die zahlreichen Meeres- und Küstenmotive von Lohme auf Rügen lassen sich in sein Spätwerk einordnen und zeigen seine künstlerische Beschäftigung mit der Bewegung und Abstraktion der Natur. Er war Gründungsmitglied der „Berliner Sezession“ und neben Künstlern wie Max Liebermann, Lovis Corinth, Walter Leistikow oder auch Phillip Franck einer der frühesten Vertreter des deutschen Impressionismus.

Das Pastell „Winterlandschaft (Rauhreif)“ wird in der kommenden Sonderausstellung „Karl Hagemeister »...das Licht, das ewig wechselt.« Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus“ ab 07. Februar 2020 zu sehen sein.

 

Inv.-Nr.: 80-538-K