Das besondere Exponat (32)

Innungskrug der Potsdamer Maurer- und Zimmerleute, Potsdam
Manufaktur Rewendt
Meister Johann Christoph Seydel
1738/43
Ton, Zinnglasur, Inglasurbemalung, Zinn
Höhe 28,2 cm, Dm. 14,5 cm

1739 gründete Friedrich Wilhelm I. eine Fayence-Manufaktur in Potsdam, nachdem sein Großvater 61 Jahre zuvor eine erste Produktionsstätte in Berlin mit niederländischen Fachleuten eingerichtet hatte. Da die Gründungsurkunde für diese Manufaktur in Potsdam unterzeichnet worden war, ging die Forschung bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts hinein davon aus, dass die erste Manufaktur an der Havel statt an der Spree angesiedelt war. Es ist unter anderem dem Fayence-Spezialisten und leidenschaftlichen Sammler Paul Heiland, der zu den Mitbegründern des Städtischen Museums gehört, zu verdanken, dass dies ins rechte Licht gerückt wurde.

Dieser Walzenkrug war wenige Jahre zuvor als Schenkung des Sappeur-Vereins ans Haus gelangt. Die Wandung des mit Bandhenkel, Fußring und Deckel aus Zinn gestalteten Krugs ist mit Scharffeuermalerei in Hell- und Dunkelblau auf weißem Grund bemalt: In einer bekrönten Kartusche ist das Wappen der Potsdamer Maurerinnung bestehend aus Kelle, Hammer, Zirkel, Lot, Winkel, Messlatte und Schnur zu sehen. Zwei Männer in zeitgenössischer Tracht, ausgerüstet mit Schürze, Dreispitz und Kelle bzw. Hammer halten die Kartusche, darunter und daneben ist die Jahreszahl „1743“ zu lesen. Oberhalb des mehrfach profilierten Fußrings und unterhalb des Deckels ist eine umlaufende Bordüre aus floralen und ornamentalen Elementen angelegt, auf dem Henkel Dekor in Punktiermanier. Der flache, mehrfach geriefte Deckel ist mit einem kugelförmigen, mittig mit Wulstring und von einer dreiteiligen Spitze bekrönten Daumenrast ausgestattet, dessen Scharnier am Bandhenkel spitz ausläuft. Auf dem Deckel befindet sich eine ebenfalls mehrfach geriefte kreisrunde Vertiefung mit der Signatur „Meister Johann Christoph Seydel 1743“. Drei Zinnmarken sind auf dem Deckel eingeprägt, ein Adler und zwei Herzen mit Flamme und Flügeln sowie die Jahreszahl „1738“. Zu bewundern ist das Prachtstück in der Ständigen Ausstellung.

78-29-FA