Das besondere Exponat (24)

Unbekannter Künstler (Sign.: C.W.)
Blick auf das Marmorpalais, um 1790
50 x 120 cm
Öl auf Leinwand

Das Gemälde mit einer Ansicht des Marmorpalais vor der Ergänzung der Seitenflügel wurde dem Potsdam Museum im März 2017 aus Privatbesitz angeboten. Das Bild eines unbekannten Künstlers ist mit dem Kürzel CW signiert. Es entstand wohl nach einer Radierung eines ebenfalls unbekannten Künstlers. Nach Einschätzung des Konservators Oliver Max Wenske handelt es sich bei dem Gemälde um eine Supraporte, die als Einrichtung eines wohlsituierten bürgerlichen Haushaltes diente. Das Potsdam Museum hat bislang keine gemalte Vedute des Marmorpalais im Bestand, so dass das Gemälde eine hervorragende Bereicherung für den Sammlungsbestand ist.

Bildbeschreibung:
Zwei männliche Staffagefiguren blicken vom Ostufer des Heiligen Sees auf das Marmorpalais. Das Palais ließ Friedrich Wilhelm II. 1787 bis 1791 nach Plänen der Architekten Carl von Gontard und Carl Gotthard Langhans von Andreas Ludwig Krüger errichten. Der erste klassizistische Schlossbau in Potsdam wurde als Backsteinbau mit Marmorverkleidung und Belvedere gestaltet. Die namengebende Ausschmückung ist auf dem Gemälde nur abstrahiert wiedergegeben, die Reliefs mit Putten und Girlanden über den Fenstern fehlen vollständig. Das am ausgeführten Gebäude in harmonischem Einklang zum zweigeschossigen Bau gestaltete Belvedere nimmt in der Darstellung des unbekannten Künstlers die Hälfte der Gebäudehöhe ein, und die Putten mit Früchtekorb auf der Dachspitze erinnern vom Format her an den Atlas auf dem Alten Rathaus.

Im Wasser liegt eine Gondel, wie sie der König zu Fahrten auf dem See benutzte. Links neben dem Palais erhebt sich der Juden- bzw. spätere Pfingstberg, der damals noch weitgehend dem Weinanbau diente. Auf seiner einst dicht mit Eichen bewachsenen, nun kahlen Spitze erhob sich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Mühle, umringt von etlichen Weinpressen und kleinen Gartenpavillons. Ab 1793 verfolgte König Friedrich Wilhelm II. den Plan, den Neuen Garten über den südöstlichen Abhang bis hin zur Bergkuppe zu erweitern. Auf dem Berg sollte ein „Gothischer Turm“ genanntes Schloss nach Plänen von Johann Michael Boumann errichtet werden. Der König nahm davon jedoch wieder Abstand, da die Grundstückseigner in ihren Forderungen „äußerst unbillig“ und „ausverschämt“ gewesen seien. Boumann fügte dem Marmorpalais 1797/98 unter Verwendung der abgebrochenen Kolonnaden von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff aus dem Park Sanssouci stattdessen zwei Seitenflügel mit vorgelagerten Säulengängen an (vierzig Jahre später vollendet von Ludwig Ferdinand Hesse).

Im Vordergrund links ist das in Form einer künstlichen Ruine gestaltete Küchengebäude (Langhans) zu sehen, das auf diesem Gemälde tatsächlich im See zu versinken scheint.

Text: Dr. Uta Kaiser | Thomas Sander

 

BK-2018-93