Bilder einer Stadt zwischen Gestern und Heute

Potsdam

Peter Rohn, Blick aus dem Potsdamer Klubhaus, 1966, Öl auf Leinwand, © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder
Peter Rohn, Blick aus dem Potsdamer Klubhaus, 1966, Öl auf Leinwand, © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder
Peter Rohn, Blick aus dem Potsdamer Klubhaus, 1966, Öl auf Leinwand, © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder

In der Stadt begegnen uns Straßen, Plätze, Häuser, Industriegebiete, Baustellen und Abrisshäuser sowie Menschen und Fahrzeuge – vielfältige Motive, die Künstler*innen zu unterschiedlichen Werken inspirieren. Das so entstandene Genre Stadtbild bildet in der Kunst das urbane Äquivalent zur Landschaftsdarstellung. Es unterteilt sich in Veduten, die das Ziel einer möglichst wirklichkeitsgetreuen Darstellung eines Stadtpanoramas suggerieren, Bilder, in denen Stadt und Land sich zur Stadtlandschaft verbinden und das urbane Interieur, welches einen kleinen Ausschnitt, meist einzelne oder wenige Gebäude zeigt.

Die Stadtbilder übermitteln jedoch nicht immer die Wirklichkeit. Künstler*innen, die ihre Motive nicht selten direkt aus ihrer unmittelbaren Umgebung ziehen, halten ihren Lebens- und Erlebnisraum fest oder laden ihn mit persönlichen Erfahrungen auf.
In der Sammlung des Potsdam Museums hebt sich ein Lebensraum als Themenschwerpunkt besonders von anderen ab: die Darstellung Potsdams.

Während das sammelnde Besitzbürgertum den früheren Bestand dieser Bilder beeinflusste und viele der Stadtansichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in einem sehr repräsentativ ausgerichteten Traditionsbewusstsein stehen, bildete die Stadtlandschaft auch bei Maler*innen nach 1950 wichtige Impulse und taucht in zahlreichen ihrer Werke auf.

Es zeigt sich, dass das Stadtbild Potsdams nicht nur in der Realität durch ein Nebeneinander von Stilen geprägt ist: Historisches trifft auf Modernes und prachtvoller Palast- auf sozialistischen Plattenbau. Das Wesen Potsdams scheint aus vielen verschiedenen Identitäten zu bestehen, denn „Potsdam […] war seit Jahrhunderten der städtebauliche Spiegel unterschiedlicher Stadterzählungen[1]. Dabei verändert sich nicht nur das reale, bauliche Stadtbild im Laufe der Zeit – auch politische und gesellschaftliche Veränderungen und nicht zuletzt der persönliche Blick der Künstler*innen auf ihr Lebensumfeld beeinflussen die Bilder, die sie von ihrer Stadt gestalten. Manchmal fließen diese Einflüsse sehr offensichtlich, manchmal eher subtil in die Arbeiten ein. Zudem wurde mit der Gründung der Galerie Sozialistische Kunst 1976 das Sammeln unter bestimmte Leitlinien gestellt. Die „Darstellung des Menschen in seiner räumlich-städtischen und natürlichen Umgebung"[2] gehörte zu den Kernthemen der Sammeltätigkeit.

Die Besonderheit an diesen so entstehenden individuellen Stadterzählungen ist, dass die auf den Werken fixierten Orte der Vergangenheit durch die Betrachter*innen überprüfbar scheinen. Doch halten die Künstler*innen tatsächlich genau das fest, was sie vor sich sehen? Wie hat sich der dargestellte Raum verändert? Existieren die Straßen und Gebäude überhaupt noch und erkennt man sie wieder? Was macht die Stadt Potsdam damals und jetzt aus?

 

 

[1] Martin Sabrow: Verschwindende Brüche. Der Potsdamer Streit um die architektonische Stadtvergangenheit. In: Stadt-Bild / Kunst-Raum. Entwürfe der Stadt in Werken von Potsdamer und Ost-Berliner Künstlerinnen und Künstlern 1949 – 1990. Ausst. Kat. Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, 7. September – 11. Januar 2015, Berlin 2014, S. 16.
[2] Konzeption der Galerie Sozialistische Kunst am Bezirksmuseum Potsdam vom März 1976, Nr. B, in: HAPM, Archiv GSK, zit. n.: Jutta Götzmann: Rückzugsorte und Experimentierflächen. Künstlerische Denk- und Freiräume in der Galerie Sozialistische Kunst, in: Stadt-Bild / Kunst-Raum. Entwürfe der Stadt in Werken von Potsdamer und Ost-Berliner Künstlerinnen und Künstlern 1949 – 1990. Ausst. Kat. Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, 7. September – 11. Januar 2015, Berlin 2014, S. 25-33, S. 25.

Exponate
Hannah Schreiber de Grahl Alte Luisenstraße Potsdam, 1925© Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder

01 | HANNA SCHREIBER DE GRAHL (1864 – 1930)

Otto Heinrich, Am Kanal im Winter - Wilhelmplatz, im Hintergrund die Post und Synagoge, Potsdam Fischmarkt, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

02 | OTTO HEINRICH (1891 – 1967)

Philipp Franck, Blick auf Potsdam-Hermannswerder, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

03 | PHILIPP FRANCK (1860 – 1944)

Werner Gottsmann, Potsdamer Stadtlandschaft, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Michael Lüder

04 | WERNER GOTTSMANN (1924 – 2004)

Martin Hoffmann, Eingeborene der Neustadt © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

06 | MARTIN HOFFMANN (1948 - )

Otokar Čemus, Lange Brücke mit Nikolaikirche, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder

07 | OTOKAR ČEMUS (1928, PRAG)

Alfred Schmidt, Potsdamer Abrisshäuser V, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

08 | ALFRED SCHMIDT (POTSDAM, 1942)

Frank Gottsmann, Über der Stadt ©Potsdam Museum- Forum für Kunst und Geschichte,  VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Michael Lüder

09 | FRANK GOTTSMANN (1946 - )

Barbara Raetsch, Demonstration in der Dortustraße, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Michael Lüder

10 | BARBARA RAETSCH (1936 - )

Unbekannte Künstler*inn, Blick auf Potsdam vom Babelsberg © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

15 | UNBEKANNTE*R KÜNSTLER*IN

Heinrich Basedow d. J., Garnisonkirche in Potsdam,© Ute Boeters

18 | HEINRICH BASEDOW d. J.

Heinrich Friedrich Rumpf, Potsdam - Hinter der Garnisonkirche, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Michael Lüder

71 | HEINRICH FRIEDRICH RUMPF

Heinrich Friedrich Rumpf, Holländische Häuser, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

72 | HEINRICH FRIEDRICH RUMPF

Hannah Schreiber de Grahl, Regentag in Potsdam, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder

76 | HANNAH SCHREIBER DE GRAHL