Orte zwischen Privatem und Öffentlichkeit

Innenräume

Thomas Jung, Blick aus dem Atelier, Öl auf Mischgewebe, 1984, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder
Thomas Jung, Blick aus dem Atelier, Öl auf Mischgewebe, 1984, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder
Thomas Jung, Blick aus dem Atelier, Öl auf Mischgewebe, 1984, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Foto: Michael Lüder

Sonnendurchflutete leere Räume, gute Stuben, dunkle Flure, wilde Kneipenabende, duftende Kaffeehäuser – wir alle kennen solche Innenräume und verbinden mit ihnen bestimmte Erinnerungen oder Emotionen.
Das seit dem 17. Jahrhundert als eigenständige Bildgattung existierende Thema des Interieurs ging von den Niederlanden aus und wurde später vor allem in Nord- und Mitteleuropa ein bürgerlich oder höfisch geprägtes, beliebtes Sujet.
Es werden Milieus dargestellt, die von der Arbeitswelt, der privaten, häuslichen Umgebung bis hin zu öffentlichen Innenräumen reichen. Auch die Menschen, die sich in diesen Umgebungen aufhalten, sind häufig ins Bild einbezogen.

Während die Sammlung des Potsdam Museums aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen nur vereinzelte Interieurs aufweist und diese nahezu ausschließlich private Innenräume zeigen, gibt es für die Kunst nach 1945 eine hohe Anzahl an Gemälden, die sich motivisch nicht nur mit dem persönlichen, sondern mit verschiedenen „Dritten Orten“ auseinandersetzen – Räume, die sich zwischen privater und öffentlicher Lebenswelt bewegen. Dazu gehören zum Beispiel Cafés, Bars, Theater, Zirkusse und Klubhäuser als Treffpunkte für Künstler*innen. Sie knüpfen mit der Wahl dieser Sujets an motivgeschichtliche Traditionen, etwa des deutschen Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, bewusst an.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Künstleratelier. Dem in der bildkünstlerischen Tradition der klassischen Moderne und des Expressionismus stehenden Thema kommt als Quelle des kreativen Schaffens und der Selbstreflexion, als sozialer und politischer Raum, Rückzugsraum und Plattform für Austausch und Kommunikation mit Gleichgesinnten eine bedeutende Rolle zu. Hier gab es neben der künstlerischen Tätigkeit mitunter auch Veranstaltungen und Klubabende, zu denen die Teilhabenden gezielt Personen einladen konnten. So wurde das eigene Atelier zumindest in einem gewissen Rahmen zu einer Art Frei- und Denkraum in einem durch die Staatssicherheit bewachten und kontrollierten Land.

Exponate
Konrad Schwormstädt, Stillleben, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

215 | KONRAD SCHWORMSTÄDT

Anna Lehmann-Brauns, Verbotene Liebe, © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

220 | ANNA LEHMANN-BRAUNS

Jeanette Niebelschütz, o. T., © Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte

221 | JEANETTE NIEBELSCHÜTZ

Heinrich Friedrich Rumpf, Am Spinett, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

227 | HEINRICH FRIEDRICH RUMPF