Symposium zur Sonderausstellung "Künstlerinnen der Moderne - Magda Langgenstraß-Uhlig und ihre Zeit"

8.1.2016 | Künstlerinnen der Moderne im Diskurs

Die Initiatorinnen des Symposiums Dr. Jutta Götzmann und Dr. Anna Havemann hatten die Direktor/-innen, Kurator/-innen und Sammlungsleiter/-innen verschiedener deutscher Ausstellungshäuser eingeladen und gebeten, Einblicke in ihre aktuellen Ausstellungs- und Forschungsthemen zu geben und sich der Diskussion zu stellen. Das Interesse am  Leben und Schaffen der Künstlerinnen der Moderne, die ab 1900 die Entwicklung von Malerei und Bildhauerei maßgeblich beeinflusst haben, war sehr groß. Über 130 BesucherInnen nahmen an der Veranstaltung teil.

Die Vormittagssektion, die von der Direktorin des Potsdam Museums Dr. Jutta Götzmann geleitet wurde, nahm vor allem die künstlerischen Strömungen und die Entwicklungen des Kunstmarktes in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in den Blick. Im Fokus standen dabei die STURM-Galerie von Herwarth Walden, die Gruppe der Berliner Secessionisten sowie herausragende Berliner Frauenpersönlichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Direktor der Liebermann-Villa am Wannsee Dr. Martin Faass machte deutlich, dass die Berliner Secession die erste große deutsche Künstlervereinigung war, bei der Frauen von Anfang an dazugehörten. Gründungsmitglieder der Berliner Secession waren Julie Wolfthorn, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Ernestine Schultze-Naumburg. Später kamen weitere Künstlerinnen dazu, entweder als Mitglieder oder als Teilnehmerinnen der regelmäßigen Secessionsausstellungen. Derzeit werden Werke von Julie Wolfthorn, Augusta von Zitzewitz, Charlotte Behrend-Corinth und Maria Slawona in einer Ausstellung in der Liebermann-Villa präsentiert.

Dr. Ingrid Pfeiffer von der Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main und Kuratorin der Ausstellung „STURM-Frauen“ legte ihr besonderes Augenmerk auf den Schriftsteller, Verleger, Galeristen und Komponisten Herwarth Walden. Sie machte in ihrem Vortrag deutlich, dass Walden die Werke von Künstlerinnen hoch schätzte und die Karrieren vieler von ihnen befördert hat. Etwa ein Fünftel der von ihm präsentierten Künstler in seiner 1912 gegründeten STURM-Galerie waren Frauen. Manche davon wurden – ebenso wie ihre männlichen Kollegen – von Walden erstmals in Deutschland ausgestellt. Zu den heute bekanntesten Namen zählen Sonia Delaunay, Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Walden unterschied, im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossen, nicht zwischen männlichen und weiblichen Künstlern, sondern vertrat künstlerische Positionen, die ihn überzeugten, ohne jedes Vorurteil.

Den letzten Vortrag der Vormittagssektion bestritt Dr. Martina Weinland von der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Sie präsentierte das Ausstellungsprojekt „Berlin – Stadt der Frauen“. Dabei handelt es sich um eine Ausstellung, deren Anlass ein Jubiläum ist: die Gründung des weit über Berlin hinaus wirkenden Lette-Vereins, der im Februar diesen Jahres 150 Jahre alt wird. Die Ausstellung widmet sich 20 außergewöhnlichen Frauen, die innovativ, kreativ, politisch und unternehmerisch tätig waren. Sie alle haben Tabus und Regeln durchbrochen. Sie waren couragiert und feminin zugleich, um ihre ungewöhnlichen Lebenswege durchzusetzen und sich zu emanzipieren.

Im Mittelpunkt der Nachmittagssektion des Symposiums, die von Dr. Anna Havemann geleitet wurde, standen das Leben und Wirken einzelner Künstlerinnen im Kontext der 1920er bis 1940er Jahre. Für alle Künstlerinnen stellte das Jahr 1933 eine Zäsur dar. Jeanne Mammen und Hannah Höch überlebten die Zeit des Naziterrors zurückgezogen in ihren Ateliers.
Diesen Lebens- und Arbeitsraum thematisierte Dr. Annelie Lütgens von der Berlinischen Galerie in ihrem Vortrag: „Das Atelier als Lebensgehäuse bei Hannah Höch und Jeanne Mammen“. Die Ateliers, die Dr. Lütgens vorstellte, waren nicht nur Arbeits-, sondern auch Wohnräume. Zwei Künstlerinnen, ein und derselben Generation angehörend, in ein und derselben Stadt lebend, schufen sich Lebens- und Rückzugsorte: die eine mitten im Zentrum des Berliner Westens am Kurfürstendamm, die andere weit draußen am nördlichen Stadtrand in Heiligensee, am Rand eines aufgelassenen Flugplatzes.

Den 152. Geburtstag der Künstlerin Julie Wolfthorn nahm die Slawistin und Mitbegründerin des Julie Wolfthorn Freudeskreises Sabine Krusen zum Anlass eines Vortrag zur Frage: Welche Folgen hatte ihre Familienherkunft auf ihr Leben und ihre Arbeit bis 1944, als sie im Lager Theresienstadt Tode kam?

Alle Referent/-innen und Teilnehmer/-innen der Tagung waren sich einig, dass es an diesem Tag gelungen ist, eine Brücke zu schlagen zwischen der Vorstellung neuester Forschungsergebnisse, die in hochinteressante Ausstellungsprojekte münden und den Biografien sowie Werken einzelner, zum Teil wenig bekannter Künstlerinnen der Moderne. Weiterhin wurde hervorgehoben, dass die Tatsache, dass Frauen „Geschichte machen“, zwar längst (an)erkannt ist, aber bisher in vergleichsweise wenigen Ausstellungen explizit thematisiert wurde.

Adresse
Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte
Am Alten Markt 9
14467 Potsdam
Deutschland
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